Wie es Mir geht in Corona Zeiten

Ich weiß, Corona entwickelt sich Mehr und Mehr zu einem Thema, welches einen wirklich nur noch nervt. Egal ob im Freundeskreis, mit seiner besseren Hälfte, oder sobald man den Fernseher einschaltet, dominiert das Thema Corona, wie kein anderes Thema zur Zeit. Vor Monaten war das Thema, noch die Buschbrände in Australien. Verletzte Koala, von Klimaschutz will ich gar nicht erst anfangen. Aber genug Pessimismus verstreut, wie müssen ja auch optimistisch bleiben. Ich finde, dass die Situation sich in vielen Haushalten damit entschieden sich geändert hat. Wo einst Funkstille herrschte, die Gesprächsthemen ausfielen, über die man sprechen konnte, ergeben sich plötzlich Neue. Es ist schon fast unheimlich, wie eine Krise uns doch dermaßen verändern kann. Menschlich gesehen. Denn nicht nur mit meiner Tochter bin ich gefühlt, näher gekommen, sondern mit der Krise habe ich plötzlich erleben dürfen, was eine Nachbarschaft heißt. Insbesondere einer Nachbarschaft, die Alle, in der gleichen Situation sitzen.


Die nervige Nachbarin 

Das war sie für mich eindeutig. Seit gut 4 Jahren lebe ich in der Wohnung mit meiner Familie, und bislang gab es für mich nur einen Störfaktor! Ein Faktor, an dem ich Alles die Schuld gab. Ich und meine schlechte Laune. Ich und der Streit mit meiner Tochter. Ich und wenn Ich einen schlechten Tag gehabt habe. Für mich war immer klar, die nervige Nachbarin hatte Schuld. Sie und ihre blöden Fragen. Sie und immer diese Scheinheiligkeit. Als ob Sie sich aufdrängen müsste. Eine Unbekannte für Mich. Irgendwann sprachen wir gar nicht mehr miteinander, wenn wir uns im Treppengelände über den Weg liefen. Selbst für ein kleines Nicken hat es nicht gereicht....Bis zu dem Moment, wo die Krise ein viel größeres Problem einnahm als ich es vor 3 Monaten geahnt hätte. Plötzlich sehnte ich nach Bestätigung, dass Alles gut wird. Von Fremden, die einfach wie ich in Panik verfielen und es jemanden braucht, der sagt. Jetzt ist mal gut. Und dieser Stein, brachte nicht nur mein Mann, meine Tochter, meine besten Freunde, sondern auch die nervige Nachbarin ins Rollen. 


Es musste letzte Woche irgendwann gewesen sein, als ich vom Einkaufen zurück kam, der Tag ziemlich mau ausfiel und meine Laune gleich dem Winter glich. Als die Tüte dann noch riss, hätte ich mich auf den Boden gelegt und einfach nichts getan. Ich saß daher noch eine Weile im Treppenhaus, fing an die Sachen aufzuheben, während die gute nervige Nachbarin aus der Tür kam, und sich zu mir bückte. Mein erster Gedanke war natürlich. Bitte, nicht jetzt. 

Sie sagte nichts, ging in die Wohnung und kam mit einem Korb raus und half mir die Sachen in den Korb zu legen. Aus der peinlichen Stille, musste ich irgendwann innerlich lachen. Das innerliche Lachen, so dachte ich es, sah man aber von außen und ich sah wie meine Nachbarin am Lachen war. Wie es wohl für Außenstehende ausgesehen haben muss. 2 Frauen zwischen Kartoffeln, Möhren und Milch, am Lachen. Das war der Moment wo ich sie ganz anders wahrnahm. Und auch die nächsten Tage, wann immer wir uns sagen, wurde aus einer ernstgemeinten und wohltuenden Begrüßung eine herzliche und warme Umarmung :).










Sachen ganz anders sehen plötzlich 
Im Laufe dieser Woche habe ich meine Kissen zudem neu bezogen. Ich habe mir immer eingeredet, ich hätte nie Zeit für den Kram. Ich habe es theoretisch immer aufgeschoben. Ein klassischer Fall der Aufschibiritis. Es tat gut sich bewusst zu werden, wie viele Sachen ich zuhause liegen habe, gar wie viele Sachen, die ich ungeöffnet irgendwo vergessen habe. Ich bin mir bewusst geworden, wie viele Sachen ich doch zuhause rumliegen habe....im Normalfall hätte ich jetzt direkt etwas online geshoppt und gar nicht beachtet ob ich tatsächlich so was zu Hause hätte :).




Freude am Kochen

Ich kann mich nicht mehr so gut daran erinnern, wann ich das letzte Mal so gekocht habe und es dabei genossen. Sowohl das Kochen wie auch das später Essen, es sind so banale Sachen, wo ich mich frage, warum fallen Sie Dir erst jetzt auf. Selbst über ganz einfache Pasta freue ich mich wie Bolle, auf dem Bett liegend oder zusammen mit der Familie. Es ist ein komplett anderes Lebensgefühl, das mich sprachlos macht und gleichzeitig baff. Als ich das letzte Mal beispielsweise mit meiner Familie ein Restaurant besucht haben, haben wir uns an die langsame Bedienung gestört, an das fade Essen, dass es so laut ist und haben die Atmosphäre schlecht geredet. Jetzt genießen wir Pasta auf einfachen Tellern, in Jogginghose und noch ungeschminkt.
  


Ich bin dankbar. Ich musste zwar bezüglich der Krise, meine 2 Urlaube stornieren, habe finanzielle Bußen erlebt, aber mir wurde ein Teil der Lebensfreude. Die Freude am Leben geschenkt. An das Menschliche. Und dafür bin ich dankbar! Wie ergeht es Euch so mit Veränderungen? :)

Viele liebe Grüße, Karoline :)


Kommentare

  1. Mir geht es erstaunlich gut damit. Ich bin von jeher gern zu Hause und es ist ja auch nicht so, dass man sich einsperren muss, an die Luft darf man ja, zum Spazieren gehen usw. Klopapier hab ich auch genug - also: alles prima :-DDD Ich darf sogar arbeiten, obwohl kein Klientel da ist (arbeite in einer Heilpädagogischen Hortgruppe). Hab dafür Telefonkontakt zu den Familien - für die ist es teilweise nicht ganz so einfach!
    Die Geschichte mit Deiner Nachbarin finde ich sehr schön... da sieht man mal wieder, wie man sich manchmal festbeißt in seinen Vorurteilen!!!
    Wünsche Dir trotz allem schöne Feiertage, alles Liebe, Maren

    AntwortenLöschen

Kommentar posten

Beliebte Posts